Open Access: Telekom nutzt Glasfasernetze von anderen Anbietern
Stand: 27.05.2026
Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox
Die Deutsche Telekom weitet ihr Glasfaserangebot in Norddeutschland aus. Durch eine neue Kooperation mit den zwei regionalen Netzbetreibern WEMACOM und e.discom können Telekom-Kunden künftig auch Glasfaseranschlüsse in ländlichen Regionen nutzen. Das Besondere: Die Telekom nutzt das Glasfasernetz alternativer Anbieter, anstatt vorrangig auf den Ausbau des eigenen Netzes zu setzen. Die Branchenverbände BREKO und VATM begrüßen den Schritt der Telekom – und fordern, dies künftig nun auch bundesweit umzusetzen.
Open-Access-Modell schafft Wahlfreiheit
Die Partnerschaft zwischen der Telekom und den Glasfasernetzbetreibern WEMACOM und e.discom wurde auf der Digitalmesse NØRD in Rostock vorgestellt. Durch das Open-Access-Prinzip können nun mehrere Anbieter die bestehende Glasfaser-Infrastruktur nutzen, die meist staatlich gefördert ausgebaut wurde. Rund 220.000 Haushalte und Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern und in Brandenburg sollen profitieren.
Effiziente Netzauslastung durch Kooperation statt Doppelausbau
Die Kooperation stärkt die digitale Versorgung im ländlichen Raum und erweitert das Angebot für Verbraucher in der Region. In 400 Kommunen werde der Zugang zu Telekom-Glasfaserprodukten erweitert. Bereits ab sofort seien Glasfasertarife der Telekom im Ausbaugebiet der e.discom für rund 80.000 Haushalte und Unternehmen buchbar. Noch bis voraussichtlich Ende 2026 müssen sich rund 140.000 Haushalte gedulden, wenn sie Telekom-Tarife im Ausbaugebiet der WEMACOM buchen möchten.
Die Telekom, der größte deutsche Internetanbieter, kooperiert im Glasfaserausbau nach eigenen Angaben mit mehr als 50 Unternehmen. Mit den beiden neuen Partnern seien jeweils langfristige Kooperationsverträge für Open Access abgeschlossen worden. Insgesamt biete die Telekom mit den neuen und bestehenden Kooperationspartnern über eine Million Haushalten und Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg Zugang zum Glasfasernetz.
Dank Open Access wird ein wirtschaftlich unsinniger Doppelausbau von mehreren Glasfaseranbietern verhindert. Auf einem Netz haben Kunden – wie bei DSL-Anschlüssen – die Wahl zwischen mehreren Anbietern.
Branchenverbände sehen wichtiges Signal – Telekom soll bundesweit Glasfasernetze der Wettbewerber nutzen
Frederic Ufer, Geschäftsführer der Glasfaserverbandes VATM, sieht in der neuen Kooperation der Telekom ein wichtiges Signal. "Sie zeigt: Der Bitstrom-Einkauf der Telekom bei alternativen Anbietern funktioniert. Wir begrüßen dies ausdrücklich und erwarten, dass die Telekom diesen Weg nun bundesweit geht und die Bitstrom-Angebote der Wettbewerber in ganz Deutschland nutzt." Unter Bitstrom-Zugang versteht man die Mitnutzung der Glasfaserleitung durch einen anderen Anbieter. Solche Kooperationen seien laut VATM der "Schlüssel für eine flächendeckende Glasfaserversorgung und die Digitalisierung Deutschlands." Die Telekom müsse daher nun bundesweit Glasfaserprodukte im Markt einkaufen.
Auch Sven Knapp, Mitglied der Geschäftsleitung beim Bundesverband Breitbandkommunikation e.V. (BREKO), sieht in den Kooperationen eine Chance für den Glasfaserausbau in ganz Deutschland. "Wenn die Telekom als größter Internetanbieter die Glasfasernetze ihrer Wettbewerber nutzt, profitieren alle Beteiligten: Kundinnen und Kunden erhalten mehr Anbieter- und Tarifauswahl. Die ausbauenden Unternehmen können ihre Netze besser auslasten. Und die Telekom erreicht zusätzliche Glasfaserhaushalte, ohne selbst parallel bauen zu müssen", so Knapp.
Bitstrom-Vorleistungen, wie sie die Telekom jetzt bei den beiden Kooperationspartnern einkaufe, seien die passende technische Grundlage für faire Kooperationen. "Statt volkswirtschaftlich unsinnigen Doppelausbau zu betreiben, sollte sie ihre Tarife bundesweit über die aktiven Glasfasernetze ihrer Wettbewerber vermarkten", fordert der BREKO.
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