Vodafone-Chef: DSL-Abschaltung schon 2028 würde Tempo bei Wechsel auf Glasfaser machen
Stand: 19.05.2026
Bildquelle: ©ANGA Services GmbH / Text: Verivox
Wann geht es mit der DSL-Abschaltung in Deutschland tatsächlich los? Dies fragte ANGA-Präsident Thomas Braun auf der Kongressmesse ANGA COM in Köln. Deutschland sei spät dran, die Bundesregierung sei am Zug. Nicht nur Karsten Wildberger, Bundesminister für Digitales, sondern auch die Chefs von Vodafone Deutschland, Telefónica (o2), NetCologne und Deutsche Glasfaser äußerten sich bei einer Podiumsdiskussion zur Kupfer-Glasfaser-Migration sowie zum weiteren Glasfaserausbau. Nicht vertreten auf dem Podium war die Deutsche Telekom – trotz freundlicher Einladung, so der ANGA-Präsident.
Digitalminister: Keine bundesweite DSL-Abschaltung mit der Brechstange
Minister Wildberger erklärte, dass die anstehende Novelle des Telekommunikationsgesetzes (TKG) Klarheit schaffen werde zum Mechanismus der Umstellung von DSL auf Glasfaser. Die Versorgung der Menschen müsse jederzeit sichergestellt werden. Es werde keine einheitliche bundesweite DSL-Abschaltung mit der Brechstange geben. Stattdessen sei eine gebietsweise Abschaltung geplant – mit klarer und frühzeitiger Kommunikation. Beim Glasfaserausbau will Wildberger das Tempo deutlich erhöhen. Derzeit würden rund 55 Prozent der Haushalte mit Glasfaser versorgt. Bis zum Ende der Legislaturperiode im Jahr 2029 soll die Versorgung bei mindestens 75 Prozent liegen.
Vodafone: Mehr Tempo bei Genehmigungen in Deutschland erforderlich
Wäre Vodafone-Deutschland-Chef Marcel de Groot Digitalminister, so würde er die DSL-Abschaltung schon für 2028 statt erst für 2035 ansetzen. Dieser frühe Termin wäre zwar aggressiv, doch das würde Kunden Klarheit bringen. Es werde mehr Tempo bei der Umsetzung benötigt. Die Genehmigungsprozesse in Deutschland seien weiterhin zu langsam. Ein Beispiel: Die Genehmigung für die Errichtung einer Mobilfunkantenne dauere in Deutschland meist ein Jahr, in Portugal sei dies in 35 Tagen erledigt. Es brauche daher Mut bei Entscheidungen, um voranzukommen.
Telefónica: Netze in Deutschland sind im internationalen Vergleich zu langsam
Santiago Argelich Hesse, Chef von Telefónica Deutschland (o2), sieht die Netze in Deutschland im internationalen Vergleich als zu langsam an. Zwar sei die Abdeckung sehr gut, bei 5G etwa rund 95 Prozent, doch Deutschland lebe unter der Beschränkung durch langsame Netze. Auch der Telefónica-Chef betont, dass die Kupfer-Glasfaser-Migration Mut benötige. Man müsse Kunden überzeugen, dass DSL bald abgeschaltet werde. Insgesamt wünschte sich der Telefónica-Geschäftsführer mehr Flexibilität. In Spanien sei das Glasfasernetz innerhalb weniger Jahre errichtet worden.
NetCologne: Frühere DSL-Abschaltung wäre wichtiges Signal an Kunden
Timo von Lepel, der Chef des regionalen Kölner Internetanbieters NetCologne, erklärte, dass man in einigen Gebieten schon heute mit der DSL-Abschaltung anfangen könnte. Das wäre ein wichtiges Signal an die Kunden. Um die Vermarktung von Glasfaser zu pushen, bietet NetCologne Glasfasertarife seit einigen Monaten zu verbesserten Konditionen an: mehr Bandbreite zum gleichen Preis.
Deutsche Glasfaser: Glasfaser sollte seinen Preis haben
Deutsche Glasfaser-Chef Andreas Pfisterer betont dagegen, dass Glasfaser ein deutlich höherwertiges Produkt sei. Es gehe nicht darum, Glasfaser zu DSL-Preisen zu verkaufen. Der Anbieter baut vor allem in ländlichen Regionen aus. In vielen Gebieten würde Deutsche Glasfaser bereits eine Glasfaserabdeckung von 85 Prozent erreichen. Eine DSL-Abschaltung könnte daher nach Ansicht des Unternehmens auch bereits früher starten.
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