Glasfaser in Mehrfamilienhäusern: 90 Prozent der Wohnungen noch ohne Anschluss
Stand: 21.05.2026
Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox
Auf der ANGA COM, der Fachmesse des Breitbandverbandes ANGA, kamen in dieser Woche die Top-Entscheider der Branche zusammen. Die Chefs von Glasfaseranbietern, und hochrangige Vertreter aus Digitalministerium und Bundesnetzagentur diskutierten über den weiteren Fortschritt beim Glasfaserausbau. Großes Potenzial wurde in der Glasfaserversorgung von Mehrfamilienhäusern gesehen.
Erst knapp 3 Millionen Glasfaseranschlüsse bis in die Wohnungen in Mehrfamilienhäusern
In Deutschland gibt es rund 30,5 Millionen Wohnungen in Mehrfamilienhäusern. Bei 25,3 Millionen Wohnungen fehlt noch der Glasfaseranschluss im Gebäude. Erst 2,9 Millionen Wohnungen seien per Glasfaser (FTTH) angeschlossen. Das heißt: Erst 10 Prozent der Haushalte in Mehrfamilienhäusern haben Glasfaser bis in die Wohnung. Im Gegensatz zu anderen Ländern wurden Glasfaseranschlüsse in Deutschland oft zunächst in ländlichen Gebieten und in Einfamilienhäusern errichtet.
Das Thema Ausbau in Gebäuden ist allerdings komplex, da es viele Beteiligte gebe. Der Glasfaseranbieter, der ein Mehrfamilienhaus ausbauen möchte, muss sich mit Wohnungswirtschaft, Eigentümern, Mietern und Ausbaufirmen abstimmen. Und nicht jeder Eigentümer stimmt einer Glasfaserverkabelung in seinem Gebäude zu.
Mehr Tempo durch Recht auf Vollausbau?
Das soll das geplante "Recht auf Vollausbau" ändern. Realisiert werden soll dieses noch in diesem Jahr durch eine Änderung des Telekommunikationsgesetzes. Fragt ein Glasfaseranbieter beim Eigentümer wegen des Vollausbaus nach, kann der Eigentümer dies ablehnen und bekommt eine Frist, um die Glasfaserverlegung im Haus selbst durchzuführen. Macht er dies nicht, kann es für den Eigentümer eine Vertragsstrafe geben.
Einige Anbieter sehen das Recht auf Vollausbau jedoch skeptisch. Klagen seien vorprogrammiert, man könne den Ausbau nicht gegen den Willen des Eigentümers machen. Notwendig sei eine bessere Abstimmung: Plant der Eigentümer ohnehin eine Sanierung des Hauses, könne der Glasfaseranbieter dann gleichzeitig Glasfaser verlegen.
Karsten Wildgruber, Bundesminister für Digitales, erklärte auf der ANGA COM, dass bis 2029 in Deutschland eine Glasfaserabdeckung von mindestens 75 Prozent erreicht werden soll – aktuell sind es 55 Prozent. Das gelingt nur, wenn auch deutlich mehr Mehrfamilienhäuser mit Glasfaser versorgt werden.
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