Magdeburg/Halle (dpa) - Wegen der steigenden Energiepreise entscheiden sich in Sachsen-Anhalt immer mehr Eigenheimbesitzer für alternative Heizanlagen. Der Innungsverband der Schornsteinfeger verzeichnet einen deutlichen Zuwachs von Kaminen und Kachelöfen. "Das ist vor allem dort der Fall, wo Wald und damit Brennholz in greifbarer Nähe sind", sagte Verbandssprecher Torsten Kiel in Magdeburg. Insgesamt stösst die Nutzung erneuerbarer Energien zunehmend auf Verbraucher-Interesse, wie eine dpa-umfrage ergab.
In den ersten drei Quartalen des vergangenen Jahres erreichten das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle aus Sachsen-Anhalt mehr als 900 Anträge auf Förderung einer
Solar-Anlage. 2005 waren es im selben Zeitraum schon mehr als 1700 Anträge. Zudem gingen von Januar bis September 2005 fast 400 Anträge zur Förderung einer Biomasse-Anlage ein, im vergleichbaren Vorjahreszeitraum waren es gerade mal knapp die Hälfte.
Auf Mieterseite beobachtet Energieberater Frank Nowotka von der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt dagegen folgendes Phänomen: "Trotz enorm gestiegener Energiepreise, ist die Nachfrage nach Energie- Einsparberatungen konstant geblieben." Er vermutet, dass viele Verbraucher die Energieberatung auf Tipps zum
Stromsparen reduzieren. Dabei könnten mit Hilfe von Energie- und Heizkostenabrechnungen vielfältige Einsparmöglichkeiten aufgezeigt werden. "Beratungen bis zu 45 Minuten sind für den Verbraucher kostenlos", so Nowotka.
Die Hallesche Wohnungsgesellschaft (HWG) startete derweil ein Pilotprojekt, bei dem 32 Wohnungen energieeffizient modernisiert wurden. "Durch die Sanierung soll der Energieverbrauch um bis zu 20 Prozent sinken", sagte HWG-Sprecher Hartmut Maurer. Mit Blick auf die für Januar 2006 geplante flächendeckende Einführung von Energiepässen sollten im Vorfeld konkrete Zahlen ermittelt werden. Die Pässe sollen unter anderem ermöglichen, den Energiebedarf von Häusern bundesweit objektiv zu vergleichen und Einsparpotenziale aufzuzeigen.
"Auch an die Biogasnutzung knüpfen sich in Sachsen-Anhalt viele Ideen und Hoffnungen", sagte René Beyer vom Forschungs- und Beratungszentrum für Maschinen- und Energiesysteme an der Hochschule Merseburg (FH). Ein Problem sieht er aber in der ablehnenden Haltung der Energieversorger. Beyer ist Koordinator des Solartages, der am 27. Oktober an der FH stattfindet. Neben Experten-Foren informieren eine Firmenkontaktmesse sowie Fach- und Erlebnisausstellungen Verbraucher über Photovoltaik und Biogasnutzung.