5,4 Milliarden Euro verschenkt: Deutsche Haushalte zahlen zu viel für Strom und Gas
Stand: 03.06.2026
Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox
Heidelberg. Seit Jahrzehnten können Strom- und Gaskunden ihren Energieversorger frei wählen. Dennoch bezieht die Mehrheit Strom und Gas vom örtlichen Grundversorger. Dadurch haben Verbraucher im ersten Halbjahr 2026 hochgerechnet rund 5,4 Milliarden Euro zu viel für Energie bezahlt. Das zeigt eine Analyse des Vergleichsportals Verivox.
3,5 Milliarden Euro zu viel für Strom
Laut der Bundesnetzagentur sind 22 Prozent der deutschen Haushalte noch im teuren Grundversorgungstarif ihres örtlichen Stromversorgers. Diesen Tarif erhalten alle Haushalte, die sich beim Hausbau oder beim Neueinzug nicht um ein günstigeres Angebot kümmern. Die Vorteile des Grundversorgungstarifs: Er steht allen Kunden zur Verfügung und kann jederzeit gekündigt werden. Der große Nachteil ist der vergleichsweise hohe Preis. Die Differenz zwischen Grundversorgung und dem günstigsten Stromtarif beträgt durchschnittlich rund 16 Cent pro Kilowattstunde.
Weitere 38 Prozent der Stromkunden haben einen Laufzeittarif beim örtlichen Versorger. Der Preisunterschied zwischen dem günstigsten Angebot des örtlichen Grundversorgers und dem günstigsten verfügbaren Stromtarif liegt noch bei rund 8 Cent pro Kilowattstunde.
Hätten beide Gruppen in einen günstigeren Stromtarif gewechselt, würden diese Haushalte im ersten Halbjahr 2026 rund 3,5 Milliarden Euro weniger bezahlen.
Gasrechnung um 1,9 Milliarden Euro zu hoch
Beim Gas befinden sich noch rund 16 Prozent der Haushaltskunden im teuren Grundversorgungstarif ihres örtlichen Versorgers. Der bundesweite Durchschnittspreis der Gas-Grundversorgung lag im ersten Halbjahr 2026 rund 4 Cent pro Kilowattstunde höher als der günstigste verfügbare Gastarif.
Rund 52 Prozent der Gaskunden haben einen Laufzeittarif beim örtlichen Versorger gewählt. Doch selbst die besten Tarife der örtlichen Versorger sind im Durchschnitt noch rund 2 Cent pro Kilowattstunde teurer als die günstigsten Gastarife. Dadurch haben die Haushalte mit Gasheizung und Vertrag beim örtlichen Gasversorger im ersten Halbjahr 2026 insgesamt rund 1,9 Milliarden Euro mehr bezahlt als nötig.
"Die Energiepreise werden im Jahr 2026 voraussichtlich weiter ansteigen. Umso wichtiger ist es, nicht mehr als nötig dafür zu bezahlen. Strom- und Gaskunden sollten ihre aktuellen Tarife daher prüfen und bei Bedarf wechseln", rät Thorsten Storck, Energieexperte bei Verivox.
Anbieterwechsel ist einfach und sicher
Wer noch im teuren Grundversorgungstarif ist, sollte sich um einen günstigeren Strom- und/oder Gastarif kümmern. Der neue Anbieter übernimmt die Kündigung beim bisherigen Versorger und es sind keine technischen Änderungen notwendig. Die unterbrechungsfreie Versorgung ist gesetzlich garantiert. Ein Haushalt in einem Einfamilienhaus mit einem jährlichen Stromverbrauch von 4.000 kWh und einem Gasverbrauch von 20.000 kWh kann durch den Wechsel aus dem Grundversorgungstarif zum günstigsten Angebot mit Preisgarantie aktuell im Bundesdurchschnitt insgesamt 1.315 Euro pro Jahr sparen (622 Euro bei Strom und 693 Euro bei Gas).
Methodik
Für die durchschnittlichen Strom- und Gaspreise der Grundversorgung hat Verivox die verfügbaren veröffentlichungspflichtigen Preise der rund 800 Strom-Grundversorger und der rund 700 Gas-Grundversorger in Deutschland ausgewertet.
Die durchschnittlichen Strom- und Gaspreise bei Neuabschluss wurden anhand der bei Verivox verfügbaren Angebote erhoben. Der Preis pro Kilowattstunde enthält den Arbeitspreis sowie den Grundpreis und basiert auf dem deutschlandweit gewichteten Mittel des günstigsten Preises je Postleitzahl. Berücksichtigt werden ausschließlich Neukundentarife mit einer Preisgarantie von 12 Monaten.
Die zugrunde gelegten Tarifstrukturen und Verbrauchsmengen stammen aus dem aktuellen Monitoringbericht der Bundesnetzagentur.