Umfrage: Jeder fünfte Glasfaseranschluss bleibt ungenutzt
Stand: 23.02.2026
Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox
Mehr als jeder fünfte Haushalt in Deutschland hat einen Glasfaser-Anschluss im Haus, nutzt diesen aber nicht. Immerhin ist der Trend positiv: 2024 ließen noch 32 Prozent der Haushalte einen vorhandenen Anschluss brachliegen, aktuell verzichten 22 Prozent auf die Aktivierung. Fast jeder zweite DSL- oder Kabelkunde würde hingegen gerne zu Glasfaser wechseln. Das zeigt der jährlich erhobene Glasfaser-Monitor des Vergleichsportals Verivox.
Zehn Prozent weniger inaktive Anschlüsse als 2024
In der Verivox-Umfrage geben 24 Prozent der Deutschen an, bereits mit einem Glasfaseranschluss zu surfen. Damit stieg im Vergleich zu Oktober 2024 die Zahl der Glasfaserkunden um vier Prozentpunkte. Doch nicht jeder, der Glasfaser bekommen könnte, entscheidet sich auch dafür: 22 Prozent der heutigen DSL- oder Kabelkunden haben Glasfaser im Haus liegen, nutzen den Anschluss aber nicht. Allerdings wird diese Lücke geringer – 2024 lag die Zahl der Zauderer noch um zehn Prozentpunkte höher.
"Unsere Daten zeigen, dass die Lücke zwischen verfügbaren und aktivierten Anschlüssen sinkt, aber immer noch beträchtlich ist", sagt Jörg Schamberg, Telekommunikationsexperte bei Verivox. "Hier schlummert viel ungenutztes Potenzial. Immerhin dreht das jüngste Regulierungskonzept zur Kupfer-Glas-Migration an wichtigen Stellschrauben wie einer Verpflichtung der Anbieter zur Öffnung ihres Netzes. Wir halten es für sinnvoll, dafür verbindliche Standards festzuschreiben. Wenn der zeit- und kostenintensive Verhandlungsaufwand zwischen den Anbietern nicht reduziert wird, bleibt die Komplettversorgung Deutschlands mit Glasfaser weiter eine Hängepartie."
50 Prozent überzeugt eine "gute Gelegenheit"
Gefragt nach ihren Beweggründen für die Bestellung von Glasfaser sagen 33 Prozent, dass in der Straße gerade ausgebaut werde und sich daraus Vorteile ergeben. Dieser Punkt ist für Bewohner ländlicher Regionen noch bedeutsamer als für Städter. An zweiter Stelle werden die grundsätzlichen Vorteile der Technik genannt – etwa höhere Geschwindigkeiten und stabilere Verbindungen. Die mit 17 Prozent dritthäufigste Nennung spielt erneut auf eine gute Gelegenheit an, die man habe nutzen wollen ("dabei sein und sich später nicht separat kümmern müssen"). Weitere 14 Prozent geben an, ein gutes Angebot gefunden und genutzt zu haben. Zusammengenommen haben sich 50 Prozent wegen einer "guten Gelegenheit" für Glasfaser entschieden.
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Jeweils 15 Prozent haben Glasfaser bestellt, weil ihre Internetnutzung eine schnelle und stabile Leitung erfordere oder weil sie mit ihrem bisherigen Anschluss unzufrieden waren. Andere Faktoren wie das Aufwerten der eigenen Immobilie oder die Hoffnung auf einen Anbieter mit besserem Service spielten für maximal zehn Prozent der Befragten eine Rolle.
Gründe für ausbleibenden Wechsel zu Glasfaser
Übergreifend sagen 48 Prozent der DSL- und Kabelkunden, sie würden gerne zu Glasfaser wechseln. 20 Prozent möchten das nicht, fast ein Drittel ist unschlüssig (32 Prozent). Wer angibt, nicht zu Glasfaser wechseln zu wollen, begründet dies überwiegend aus Zufriedenheit mit dem jetzigen Anschluss (76 Prozent). Gut jeder Vierte scheut einen Umstieg deshalb, weil er einen hohen organisatorischen Aufwand befürchtet. Berichte über Ausbau-Chaos und Verzögerungen halten ebenso wie 2024 nur vereinzelt vom Wechsel zu Glasfaser ab.
Ein vor Ort geplanter Ausbau kann ein Wechselvorhaben beeinflussen: Knapp jeder dritte DSL- oder Kabelkunde (31 Prozent) ist bereit, auf einen Glasfaser-Ausbau vor Ort zu warten und würde in der Zwischenzeit keinen neuen Tarif über herkömmliche Techniken abschließen. Gut jeder Vierte würde hingegen jederzeit einen besseren Tarif nehmen – unabhängig von der Anschlusstechnik. 41 Prozent der aktuellen DSL- und Kabelkunden würden auch dann nicht zu Glasfaser wechseln, wenn an ihrem Wohnort ausgebaut wird.
"Die Zögerlichkeit mancher Verbraucherinnen und Verbraucher zeigt, dass es nicht genügt, wenn Glasfaser in der Straße liegt. Es braucht einen zügigen, möglichst flächendeckenden Ausbau bis in die Häuser, im besten Fall von mehreren Tarifanbietern an einer Adresse. Deutschland braucht dringend einen Wettbewerb auf der Infrastruktur und nicht um die Länge der in der Straße verlegten Kabel", sagt Schamberg.
Längere Wartezeiten im ländlichen Raum
Wer sich für Glasfaser entschieden hat, muss auf die Schaltung des Anschlusses oft länger warten als von DSL oder Kabel gewohnt. Das gilt insbesondere in Dörfern oder kleineren Landgemeinden: 29 Prozent der Landbewohner warteten nach der Ausbauzusage länger als ein Jahr, bis ihr Anschluss nutzbar war – in Großstädten mussten nur 19 Prozent der Kundinnen und Kunden so lange warten. Allerdings nehmen auch dort Verzögerungen merklich zu: 2024 gaben in Großstädten nur acht Prozent an, länger als ein Jahr auf ihren Anschluss gewartet zu haben.
Einmal Glasfaser, immer Glasfaser?
52 Prozent der Befragten können sich einen Wechsel zurück zu DSL oder Kabel nicht vorstellen. Der Hauptgrund: Die Vorteile von Glasfaser seien im Vergleich zu den herkömmlichen Techniken bestechend – das sagen 39 Prozent. 12 Prozent würden selbst bei moderat steigenden Kosten bleiben.
35 Prozent der befragten Glasfaserkunden sind bei der Deutschen Telekom. Auf Platz zwei findet sich Vodafone mit elf Prozent. Andere bekannte Anbieter wie O2, M-net, 1&1 oder EWE kommen lediglich auf einstellige Prozentwerte. Dazu Schamberg: "In unserer Studie gibt mehr als jeder fünfte Glasfasernutzer an, einen anderen, nicht namentlich aufgeführten Anbieter zu haben. Das zeigt, wie zersplittert der Markt ist."
Über zwei Drittel der Glasfaserkunden sind zufrieden
Unabhängig vom Anbieter zeigen sich 69 Prozent der befragten Glasfaserkunden mit dem Preis-Leistungs-Verhältnis ihres Anschlusses zufrieden, 23 Prozent davon sogar sehr zufrieden. "Unsere Studie zeigt: Das Preis-Leistungs-Verhältnis der aktuell genutzten Glasfasertarife wird von der überwiegenden Zahl der Kunden positiv bewertet", sagt Schamberg. "Zugleich bestätigt sich, wie wichtig attraktive Angebote für einen Wechsel sind – hier schlägt die günstige Gelegenheit nicht selten den individuellen Bedarf."
Methodik
Die verwendeten Daten basieren auf einer Online-Umfrage der Innofact AG im Auftrag von Verivox, an der im Januar 2026 insgesamt 2.030 Personen im Alter von 18 bis 79 Jahren teilnahmen.
Die Fragen lauteten: Was beschreibt Ihren Wohnort am besten? / Mit welcher Anschlusstechnik gehen Sie zu Hause aktuell ins Internet? / Wissen Sie, ob bei Ihnen zu Hause Glasfaser-Internet verfügbar wäre? / Würden Sie gerne zu Glasfaser wechseln? / Wie lange haben Sie nach der Ausbauzusage auf Ihren Glasfaseranschluss gewartet? / Bei welchem Glasfaseranbieter sind Sie Kunde? / Gab es einen bestimmten Auslöser für Ihre Entscheidung, Glasfaser zu bestellen? / Wie zufrieden sind Sie mit dem Preis-Leistungs-Verhältnis Ihres Glasfaseranschlusses? / Können Sie sich vorstellen, wieder von Glasfaser zu Kabel oder DSL zu wechseln? / Beeinflusst ein möglicher Glasfaser-Ausbau Ihre Entscheidung, Ihren aktuellen Internettarif zu wechseln?
Im Oktober 2024 wurden insgesamt 1.026 Personen im Alter von 18 bis 79 Jahren zu denselben Punkten befragt. Beide Umfragen sind bevölkerungsrepräsentativ in Bezug auf Alter, Geschlecht und Bundeslandzugehörigkeit. Zudem wurden 2024 weitere 553 Glasfaserkunden nach ihren Erfahrungen befragt.