Preissteigerungen bei Girokonten: Jedes fünfte Konto wurde im letzten Jahr teurer
Stand: 08.06.2026
Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox
Heidelberg. Bei mindestens einem Fünftel aller Bankkundinnen und -kunden ist das Girokonto im Laufe der letzten zwölf Monate teurer geworden. Fast jeder Vierte gibt pro Jahr mindestens 100 Euro fürs Konto aus; unter den Sparkassenkunden sogar mehr als ein Drittel. Hingegen verfügt immerhin auch knapp ein Fünftel aller Verbraucher über ein komplett kostenfreies Girokonto. Das zeigt eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Vergleichsportals Verivox.
19 Prozent aller Konten wurden im letzten Jahr teurer
Bei 189 von insgesamt 1.003 Studienteilnehmern ist das hauptsächlich genutzte Girokonto im Laufe des letzten Jahres teurer geworden. Das entspricht einem Anteil von 19 Prozent aller Befragten.
Bei knapp einem Viertel (23 Prozent) aller Inhaber eines kostenpflichtigen Kontos erfolgte die jüngste Preiserhöhung im Laufe der letzten zwölf Monate. Bei einem weiteren Viertel (24 Prozent) hat die eigene Bank vor ein bis zwei Jahren zum letzten Mal an der Gebührenschraube gedreht. Bei 20 Prozent ist die letzte Gebührenerhöhung länger her. Fast ein Drittel (32 Prozent) aller Befragten mit einem kostenpflichtigen Konto kann sich nicht daran erinnern, wann genau die Gebühren zum letzten Mal erhöht wurden.
"Die Preissetzungsmacht der Kreditinstitute ist ungebrochen", sagt Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH. "Zwar benötigen Banken für Preiserhöhungen seit einem Urteil des Bundesgerichtshofs vor fünf Jahren die Zustimmung ihrer Kunden. Aber diese wird meist einfach in der App oder im Online-Banking eingeholt. Das ein Routinevorgang, der vielen Kunden kaum in Erinnerung bleibt."
Jeder dritte Sparkassenkunde zahlt mindestens 100 Euro
Wie viel Bankkunden für ihr Konto ausgeben müssen, ist sehr unterschiedlich: Jeweils ein Viertel der von Verivox Befragten zahlt pro Jahr entweder weniger als 50 Euro (26 Prozent) oder 50 bis 99 Euro (25 Prozent). Allerdings muss ebenfalls fast jeder Vierte (23 Prozent) 100 Euro oder mehr pro Jahr fürs Konto berappen. Bei einem Teil davon – immerhin 5 Prozent aller Befragten – summieren sich die jährlichen Gebühren sogar auf mehr als 200 Euro.
Sparkassenkunden haben mit Abstand am häufigsten ein teures Konto: In dieser Gruppe gibt mehr als ein Drittel (34 Prozent) der Befragten jedes Jahr einen dreistelligen Betrag für Kontogebühren aus.
"Nach wie vor betreiben die Sparkassen ein dichtes Filialnetz, das weit in den ländlichen Raum hineinreicht", sagt Oliver Maier. "Das ist teuer, bietet Verbrauchern, denen eine persönliche Beratung vor Ort wichtig ist, aber auch einen Mehrwert. Deshalb ist es legitim, wenn diese Kundennähe in den Kontogebühren eingepreist wird. Auf der anderen Seite zeigen die Studienergebnisse aber auch, dass die jährliche Gebührenlast bei anderen Filialbanken wesentlich seltener im dreistelligen Bereich liegt."
Auch die Genossenschaftsbanken unterhalten ein weit verzweigtes Filialnetz. Doch unter den von Verivox befragten Kunden von Volksbanken, Sparda-Banken und Co. muss nur etwa jeder Vierte (26 Prozent) jährliche Kontokosten von 100 Euro aufwärts schultern. Bei privaten Filialbanken wie der Deutschen Bank, der Commerzbank oder der Targobank sind es lediglich 15 Prozent.
Unter den Kundinnen und Kunden von Online-Banken wie der ING-Diba, DKB oder Comdirect zahlen nur 8 Prozent Kontogebühren ab 100 Euro. Hingegen müssen 44 Prozent aller Direktbankkunden gar nichts für ihr Girokonto bezahlen.
Fast jeder Fünfte hat ein kostenfreies Konto
Insgesamt verfügt knapp ein Fünftel (18 Prozent) aller Befragten über ein komplett kostenfreies Girokonto. Nach den Online-Banken haben die privaten Filialbanken am häufigsten Gratis-Konten im Angebot. Ein Fünftel (20 Prozent) ihrer Kunden muss nach eigenen Angaben nichts fürs eigene Girokonto bezahlen.
"Mehrere überregionale Geldhäuser haben für den Teil ihrer Kundschaft, der Bankgeschäfte online erledigt und die teurere Filialinfrastruktur somit gar nicht in Anspruch nimmt, günstige oder komplett gebührenfreie Kontomodelle im Angebot", sagt Oliver Maier. "Voraussetzung ist allerdings oft, dass das Konto aktiv genutzt wird und beispielsweise die monatlichen Gehalts- oder Rentenzahlungen darüber laufen."
Bei den meisten regionalen Geldhäusern werden kostenfreie Girokonten nur für Studenten, Schüler und Auszubildende oder gelegentlich auch allgemein für junge Erwachsene bis zu einem bestimmten Höchstalter angeboten. In der Verivox-Umfrage verfügen nur 6 Prozent aller Sparkassenkunden über ein kostenfreies Konto. Unter der Kundschaft von Genossenschaftsbanken wie den Volks- und Raiffeisenbanken sowie den PSD- und Sparda-Banken sind es 7 Prozent.
Methodik
Im Auftrag von Verivox hat das Meinungsforschungsinstitut Innofact Ende April 2026 insgesamt 1.003 Personen im Alter von 18 bis 79 Jahren befragt. Die Befragten entstammen einem ISO-zertifizierten Online-Panel mit rund 500.000 Teilnehmenden. Die Umfrage ist bevölkerungsrepräsentativ in Bezug auf Alter, Geschlecht und Bundeslandzugehörigkeit.
Gefragt wurde: Bei welcher Bank haben Sie Ihr hauptsächlich genutztes Girokonto? // Wie viel haben Sie im letzten Jahr insgesamt für Ihr hauptsächlich genutztes Girokonto ausgegeben? // Wann hat Ihre Bank zum letzten Mal die Gebühren für Ihr hauptsächlich genutztes Girokonto erhöht oder neue Gebühren eingeführt?