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Sparzinsen steigen vor EZB-Entscheid: Jetzt locken auch Sparkassen mit über 3 Prozent aufs Tagesgeld

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox

Heidelberg. In den letzten Wochen sind die Tages- und Festgeldzinsen weiter gestiegen. Bundesweit verfügbare Festgeldangebote mit zwei Jahren Laufzeit bringen im Schnitt aktuell 2,34 Prozent, beim Tagesgeld liegen die regulären Bestandskundenzinsen im Schnitt bei 1,34 Prozent. Um Kunden zu gewinnen und neue Spargelder einzusammeln, locken auf dem Tagesgeldmarkt zahlreiche Banken mit befristeten Sonderkonditionen und bieten temporär bis zu 4 Prozent Zinsen. Sogar bei einigen Sparkassen gibt es jetzt Tagesgeldangebote mit befristeten Aktionszinsen von mehr als 3 Prozent. Das zeigt eine aktuelle Verivox-Auswertung von über 800 Banken.

Festgeldzinsen spürbar gestiegen, Tagesgeldzinsen nur leicht

Schon vor einer möglichen Leitzinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) auf ihrer Juni-Sitzung haben zahlreiche Banken ihre Festgeldzinsen angehoben. Die Durchschnittszinsen bundesweit verfügbarer Angebote mit zwei Jahren Laufzeit sind seit dem Ausbruch des Irankriegs um mehr als einen Viertelprozent von 2,07 auf aktuell 2,34 Prozent gestiegen. Vor einem Jahr standen die Zinsen im Schnitt bei glatt 2 Prozent.

Beim Tagesgeld ging es bei den regulären Bestandskundenzinsen im selben Zeitraum nur geringfügig nach oben. Im Schnitt liegen die Zinsen bundesweit verfügbarer Angebote derzeit bei 1,34 Prozent. Sie sind seit Ausbruch des Irankriegs um 0,04 Prozentpunkte gestiegen. Vor einem Jahr standen sie bei 1,27 Prozent.

Ebenfalls nahezu unverändert, aber auf einem deutlich niedrigeren Niveau, verharren die Tagesgeldzinsen bei den örtlichen Sparkassen im Schnitt bei 0,38 Prozent und bei den regionalen Genossenschaftsbanken bei 0,44 Prozent.

Temporär bis zu 4 Prozent Zinsen aufs Tagesgeld

Dafür nimmt die Zins-Rally bei den Aktionsangeboten mit befristeten Neukundenkonditionen immer mehr Fahrt auf: Am 20. Mai ist Chase, die Digitalbank der amerikanischen Großbank J.P. Morgan, mit einem Tagesgeldzins von temporär 4 Prozent in Deutschland gestartet. Das war zu diesem Zeitpunkt mit Abstand der höchste Zins im Markt. Aber schon einen Tag später zog die Norisbank nach. Die Direktbank im Deutsche-Bank-Konzern bietet Neukunden unter bestimmten Bedingungen seitdem ebenfalls 4 Prozent.

Bei Chase gilt der hohe Zinssatz für vier Monate, danach greift der reguläre Bestandskundenzins von aktuell 2 Prozent. Bei der Norisbank müssen Sparer auch ein Girokonto eröffnen, um sich die hohen Zinsen zu sichern. Dafür gelten sie hier für ein halbes Jahr, bevor der reguläre Zinssatz von aktuell 0,75 Prozent greift.

"In den Details unterscheiden sich die beiden Angebote und sie sprechen deshalb auch unterschiedliche Kunden an", sagt Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH. "Trotzdem zeigt die schnelle Gegenreaktion, wie umkämpft der Tagesgeldmarkt ist. Die etablierten Kreditinstitute sind nicht bereit, das Feld einfach zu räumen. Sparer können von dem intensiven Wettbewerb profitieren. Wer das Marktgeschehen aufmerksam verfolgt, dem bieten sich momentan immer wieder lukrative Anlagechancen."

Jetzt bieten auch einzelne Sparkassen über 3 Prozent

Lange gab es Tagesgeldangebote mit hohen, aber befristeten Aktionszinsen vor allem bei überregionalen Banken. Doch inzwischen mischen im Wettbewerb um neue Spargelder auch Sparkassen mit.

Zuletzt hat etwa die Stadtsparkasse Remscheid ein Aktionsangebot mit einem vier Monate gültigen Tagesgeldzins von 3,1 Prozent aufgelegt. Der reguläre Bestandskundenzins liegt aktuell bei 0,5 Prozent. Anders als bei den meisten überregionalen Banken gelten die Sonderkonditionen hier nicht nur für neue Kunden, sondern insbesondere auch für Bestandskunden, die ihre Einlagen aufstocken. Ähnliche Aktionsangebote haben in den letzten Wochen etwa auch die Sparkassen in Hannover und Braunschweig sowie die Sparkasse Hildesheim Goslar Peine und die Sparkasse Celle Gifhorn Wolfsburg gestartet.

Im genossenschaftlichen Sektor gibt es ebenfalls vergleichbare Aktionsangebote. So haben zuletzt hat etwa die Volksbank Oldenburger-Land Delmenhorst sowie die Grafschafter Volksbank und die Raiffeisenbank Hirschau Aktionsangebote mit jeweils glatt 3 Prozent Zinsen für drei beziehungsweise vier Monate aufgelegt, die auch für Gelder von Bestandskunden gelten, die zuvor noch woanders angelegt waren.

"Aufgrund der schon lange sehr niedrigen Tagesgeldzinsen bei Sparkassen und Volksbanken dürften viele Kunden ihre Ersparnisse in der Vergangenheit zu Banken mit höheren Zinsen abgezogen haben", sagt Oliver Maier. "Nun versuchen einige Geldhäuser, abgeflossene Spargelder mit hohen Aktionszinsen zurückzugewinnen. Doch wenn sie diese Einlagen dauerhaft im eigenen Haus halten wollen, müssen sie den betreffenden Kunden wohl auch über den Aktionszeitraum hinaus ein attraktiveres Zinsangebot als bisher unterbreiten."

EZB-Entscheidung könnte Sparzinsen weiter beflügeln

Wie sich die Sparzinsen in den kommenden Wochen und Monaten entwickeln, wird auch von der anstehenden EZB-Entscheidung abhängen.

"Wir gehen davon aus, dass die Währungshüter die Leitzinsen auf ihrer Notenbanksitzung um ein Viertelprozent anheben werden", sagt Oliver Maier. "In dem Fall dürfte sich der Zinsanstieg beim Festgeld in ähnlichem Tempo wie zuletzt fortsetzen. Auch die durchschnittlichen Bestandskundenzinsen beim Tagesgeld dürften nach einer Zinserhöhung wieder etwas stärker anziehen, allerdings zumindest in der Breite des Marktes nicht zwangsläufig sofort und in derselben Höhe wie die EZB-Zinssätze. In der Vergangenheit haben viele Banken höhere Zinsen erst mit etwas Zeitversatz und auch nicht immer in vollem Umfang an ihre Tagesgeldanleger weitergegeben."

Methodik

Für die Analyse hat Verivox die aktuellen Tagesgeld- und Festgeld-Angebote von mehr als 800 Banken und Sparkassen ausgewertet. Berücksichtigt wurden sämtliche Geldhäuser, die ihre Konditionen frei zugänglich im Internet veröffentlichen. Ausgewertet wurden die Zinsen für eine Anlagesumme von 10.000 Euro.

In die Durchschnittszinsauswertung beim Tagesgeld sind die Bestandskundenkonditionen der Banken eingeflossen. Hohe Aktionszinsen, die nur befristet und ausschließlich für Neukunden oder Neuanlagen gelten, sind hier nicht eingegangen.

Im regionalen Sektor wird zwischen Sparkassen und regionalen Genossenschaftsbanken unterschieden. In beiden Institutsgruppen gibt es einzelne Häuser, die ihre Sparprodukte deutschlandweit anbieten und in der Auswertung deshalb den überregionalen Banken zugeordnet wurden.

Auswertungsstand ist der 08.06.2026.