Zehn Jahre Teilzeit kosten bis zu 200.000 Euro beim Vermögensaufbau
02.04.2026 | 12:11
Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox
Heidelberg. Wer für die Familie im Job kürzer tritt, hat in dieser Zeit ein geringeres Einkommen und kann dadurch auch weniger Rücklagen bilden. Bereits eine um zehn Jahre reduzierte Arbeitszeit kann den Vermögensaufbau - verglichen mit durchgehend Vollzeitbeschäftigten - um bis zu 200.000 Euro gegenüber einer Vollzeitkraft verringern. Das zeigen aktuelle Modellrechnungen des Vergleichsportals Verivox für drei unterschiedliche Erwerbsbiografien.
Zehn Jahre halbe Stundenzahl kosten 200.0000 Euro Vermögen
Im ersten Szenario investiert eine durchgehend in Vollzeit beschäftigte Person ab dem 30. Lebensjahr monatlich 300 Euro in einen ETF-Sparplan. Insgesamt werden so 136.800 Euro in ein Wertpapierdepot eingezahlt. Bei einer konstanten Jahresrendite von 7,5 Prozent entsteht daraus bis zum Renteneintritt mit 67 Jahren ein Depotwert von rund 730.000 Euro.
Im zweiten Szenario arbeitet die Person im Alter von 30 bis 40 Jahren nur halbtags und spart in dieser Phase entsprechend auch nur 150 Euro monatlich, anschließend steigt sie auf Vollzeit und eine Sparrate von 300 Euro um. Insgesamt werden hier 118.800 Euro eingezahlt. Zum Renteneintritt liegt der Depotwert bei rund 529.200 Euro und damit mehr als 200.000 Euro niedriger als bei der Person, die durchgehend in Vollzeit arbeiten kann.
Bei einer geringeren Arbeitszeitreduzierung auf eine Dreiviertelstelle und entsprechenden Abstrichen bei der monatlichen Sparrate lägen bis zum Ruhestand 100.400 Euro weniger im Depot, als bei durchgehend Vollzeitbeschäftigten.
Teilzeit-Lücke betrifft vor allem Frauen
"Die finanziellen Folgen von Teilzeitphasen werden noch immer häufig unterschätzt", sagt Melanie Ulbrich, Finanzexpertin bei Verivox. "Gerade wenn Teilzeitarbeiten unvermeidbar ist, sollten Partner über einen finanziellen Ausgleich sprechen, um zumindest einen Teil der Vorsorgelücke zu schließen. In Deutschland übernehmen nach wie vor überwiegend Frauen den größten Teil der unbezahlten Care-Arbeit für die Familie. Das sollte sich nicht nachteilig auf ihre Finanzen auswirken.”
Nach Daten des Statistischen Bundesamts arbeiten 49 Prozent der Frauen in Teilzeit aber nur 12 Prozent der Männer. Vor allem Mütter arbeiten deutlich häufiger in Teilzeit als Väter: 68 Prozent der Mütter mit Kindern unter 18 Jahren sind in Teilzeit beschäftigt.
Langfristiges Sparen ist auch mit kleineren Beträgen sinnvoll
Wer nur geringere Sparraten aufbringen kann, legt trotz allem einen Grundstein für ein beachtliches Vermögen. Wer beispielsweise 100 Euro monatlich über 37 Jahre anlegt, kann sich im Rentenalter über ein Depotvermögen von gut 243.300 Euro freuen. Selbst eingezahlt wurden davon lediglich 45.600 Euro.
Methodik
In der Modellrechnung werden die monatlichen Sparbeträge in einen Sparplan auf einen thesaurierenden ETF mit eine konstanten Jahresrendite von 7,5 Prozent investiert. Das entspricht der historischen Durchschnittsrendite des MSCI World abzüglich üblicher ETF-Kosten.