Tages- und Festgeld: Iran-Krieg könnte Realzinsen schnell wieder ins Minus drücken
19.03.2026 | 08:38
Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox
Heidelberg. Bei einer Inflation von 1,9 Prozent bringen durchschnittliche Festgelder derzeit wieder eine positive Realrendite: Bundesweit verfügbare Angebote mit zwei Jahren Laufzeit werden im Schnitt aktuell mit 2,09 Prozent verzinst, einjährige Festgelder liegen bei 2,02 Prozent. Beim Tagesgeld stehen die Durchschnittszinsen derzeit bei 1,30 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Auswertung des Vergleichsportals Verivox. Durch die jüngsten Preissteigerungen infolge des Iran-Kriegs könnten die Realzinsen allerdings schon bald wieder ins Mius rutschen.
Einjähriges Festgeld klettert über Zwei-Prozent-Marke
Über alle Laufzeiten sind die Festgeldzinsen in der ersten Hälfte des laufenden Monats leicht gestiegen. Mit aktuell 2,02 Prozent sind die Durchschnittszinsen bundesweit verfügbarer Festgeldanlagen mit einem Jahr Laufzeit dadurch zum ersten Mal seit dem letzten Frühjahr wieder über die Zwei-Prozent-Marke geklettert. Zweijährige Anlagen bringen im Schnitt derzeit 2,09 Prozent, die sehr langfristigen Festgelder mit zehn Jahren Laufzeit stehen bei 2,52 Prozent.
Positive Realzinsen – aber wohl nur kurz
Noch wichtiger als der nominelle Zinssatz ist für Sparer aber der Realzins – also die tatsächliche Wertentwicklung ihrer Anlagen unter Berücksichtigung der inflationsbedingten Teuerung. Bei einer Inflationsrate von aktuell 1,9 Prozent bringen durchschnittliche Festgelder unabhängig von der Laufzeit derzeit eine positive Realrendite. Der Realzins einjähriger Anlagen liegt im Schnitt bei plus 0,12 Prozent. Zweijährige Festgelder liegen bei 0,19 und zehnjährige bei 0,62 Prozent.
Allerdings könnten die Realrenditen durchschnittlich verzinster Sparprodukte schon bald wieder ins Minus rutschen. "Durch den Iran-Krieg sind Heizöl und Sprit bereits deutlich teurer geworden. Und je länger der Konflikt anhält, desto stärker dürften auch die Preise für Lebensmittel, Importprodukte sowie noch viele weitere Güter steigen", sagt Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH. "Die jüngsten Zinsanstiege bewegen sich seit Monatsbeginn lediglich in einem Bereich von 0,01 bis 0,02 Prozentpunkten. Das wird den Anstieg der Verbraucherpreise bei Weitem nicht ausgleichen. Zumindest bei den kürzeren Laufzeiten dürften die durchschnittlichen Realzinsen schon bald wieder unter die Nulllinie fallen."
Tagesgeld bringt im Schnitt 1,30 Prozent
Anders als beim Festgeld ging es mit den Tagesgeldzinsen in der ersten Monatshälfte nicht weiter nach oben. Ebenso wie bereits Anfang März liegen die Zinsen bundesweit verfügbarer Angebote im Schnitt aktuell bei 1,30 Prozent. Deutlich geringer fallen die durchschnittlichen Tagesgeldzinsen mit 0,37 Prozent bei den Sparkassen beziehungsweise mit 0,42 Prozent bei den regionalen Genossenschaftsbanken aus.
Für die Berechnung der Durchschnittszinsen berücksichtigt Verivox die regulären Bestandskundenzinsen der Kreditinstitute. Während sich die Zinsen hier im Marktdurchschnitt zuletzt kaum von der Stelle bewegten, nimmt der Konkurrenzkampf im Wettbewerb um Neukunden immer mehr Fahrt auf. Aktuell bieten 18 Banken neuen Kunden einen Tagesgeldzins in Höhe von 3 Prozent oder mehr. Noch vor einem halben Jahr waren es lediglich vier.
"Sparer sollten beachten, dass die hohen Zinsen bei diesen Neukundenangeboten nur für einige Monate gelten. Danach greifen die meist deutlich niedrigeren Bestandskundenzinsen", erklärt Oliver Maier. Solche Aktionsangebote lohnen sich vor allem für Anleger, die bereit sind, ihr Erspartes nach dem Auslaufen der Sonderkonditionen erneut zu einer anderen Bank umzuschichten. Wer das nicht möchte, achtet beim Zinsvergleich am besten auf attraktive Bestandskundenkonditionen.
Steigende Preise machen Zinserhöhungen wahrscheinlicher
Wie es mittelfristig mit den Sparzinsen weitergeht, dürfte stark vom weiteren Kriegsgeschehen im Iran abhängen. "Auf der anstehenden Notenbanksitzung rechnen wir noch nicht mit Anpassungen bei den Leitzinsen", sagt Oliver Maier. "Doch wenn der Krieg länger andauert, könnten die Verbraucherpreise so deutlich anziehen, dass die Währungshüter mit Leitzinserhöhungen reagieren müssen. In dem Fall würden auch die Tages- und Festgeldzinsen wieder stärker steigen."
Methodik
Für die Analyse hat Verivox die aktuellen Tages- und Festgeldzinsen von mehr als 800 Banken und Sparkassen ausgewertet. Berücksichtigt wurden sämtliche Geldhäuser, die ihre Konditionen frei zugänglich im Internet veröffentlichen. Ausgewertet wurden die Konditionen für eine Anlagesumme von 10.000 Euro.
Im regionalen Sektor wird zwischen Sparkassen und regionalen Genossenschaftsbanken unterschieden. In beiden Institutsgruppen gibt es einzelne Häuser, die ihre Sparprodukte deutschlandweit anbieten und in der Auswertung deshalb den überregionalen Banken zugeordnet wurden.
Auswertungsstand ist der 16.03.2026.