Strompreise steigen: Iran-Krieg lässt Milliardenzuschuss des Staates verpuffen
25.03.2026 | 09:32
Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox
Heidelberg. Die infolge des Iran-Kriegs gestiegenen Gaspreise machen sich nun auch bei den Strompreisen bemerkbar. Seit Ausbruch des Konflikts sind Stromtarife für Neukunden um rund 16 Prozent teurer geworden. Das aktuelle Preisniveau entspricht dem von Oktober 2025, kurz bevor die Strompreise durch einen milliardenschweren Bundeszuschuss zu sinken begannen. Das geht aus einer aktuellen Auswertung des Vergleichsportals Verivox hervor.
Neukundenpreise für Strom legen deutlich zu
Ein Drei-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4.000 Kilowattstunden (kWh) bezahlte im Februar 2026 im bundesweiten Durchschnitt im günstigsten Stromtarif mit zwölfmonatiger Preisgarantie rund 24,2 Cent pro kWh. Aktuell liegt das günstigste Angebot im Bundesschnitt bei rund 28 Cent/kWh. Das entspricht einem Preisanstieg von rund 15,7 Prozent.
Dieser Preisanstieg ist in erster Linie auf die höheren Gaspreise seit Anfang März zurückzuführen. Zwar wurden im vergangenen Jahr nur rund 17 Prozent des in Deutschland erzeugten Stroms in Erdgaskraftwerken produziert. Aufgrund des Merit-Order-Prinzips wirken Gaskraftwerke an der Strombörse jedoch häufig preissetzend, obwohl ihr Beitrag vergleichsweise gering ist. So wurde Strom, der im April 2026 geliefert wird, seit Beginn des Iran-Kriegs zeitweise um über 20 Prozent teurer.
"Solche Preisanstiege wirken sich am schnellsten auf die Angebote für Neukunden aus, denn hier wird besonders kurzfristig kalkuliert. Bei den Bestandskunden sehen wir bisher noch keinen Anstieg. Diese zahlen ohnehin oft höhere Preise als Neukunden. Wenn die internationalen Energiepreise jedoch auf dem hohen derzeitigen Niveau bleiben, werden auch die Bestandskunden in Deutschland Preiserhöhungen erhalten", sagt Thorsten Storck, Energieexperte bei Verivox.
Preisanstieg hat Strompreissubventionen schon aufgezehrt
Dank eines Bundeszuschusses von 6,5 Milliarden Euro zu den Übertragungsnetzentgelten hatten die Strompreise in Deutschland zuletzt wieder das Niveau vor der Energiekrise 2022 erreicht. Mit den niedrigeren Stromnetzgebühren begannen ab Oktober 2025 auch die Neukundenpreise für Verbraucher spürbar zu sinken. Die jüngsten Preisentwicklungen haben diese positive Tendenz jedoch gestoppt: Das aktuelle Preisniveau entspricht wieder dem von Anfang Oktober 2025.
Strompreise sind je nach Tarif sehr hoch
In der aktuellen Situation kann sich ein Strompreischeck für viele Haushalte lohnen, denn nicht jeder Stromtarif ist gleich: Der durchschnittliche Strompreis für Haushaltskunden im örtlichen Grundversorgungstarif liegt aktuell bei rund 40 Cent pro Kilowattstunde (kWh). Bei einem jährlichen Verbrauch von 4.000 kWh entspricht dies Stromkosten von 1.600 Euro. Im günstigsten Angebot mit Preisgarantie liegt der durchschnittliche Kilowattstundenpreis hingegen bei rund 28 Cent, sodass die Stromkosten bei 1.120 Euro liegen. Durch die Wahl eines günstigeren Stromtarifs können die Stromkosten somit um fast 500 Euro gesenkt werden.
"Trotz der anziehenden Neukundenpreise kann ein Stromanbieterwechsel jetzt richtig sein, denn das aktuelle Preisniveau liegt noch auf dem Niveau. Wenn der Krieg im Nahen Osten noch länger andauert, sind auch deutlich höhere Preise denkbar", sagt Thorsten Storck. "Viele Anbieter ermöglichen einen Wechsel schon bis zu zwölf Monate im Voraus. Wer sich jetzt einen günstigen Tarif sichert, ist über die Dauer der Laufzeit vor weiteren Preissteigerungen geschützt."
Methodik
Die durchschnittlichen Strompreise bei Neuabschluss wurden anhand der bei Verivox verfügbaren Angebote erhoben (Stand:25.03.2026). Der Preis pro Kilowattstunde enthält den Arbeitspreis sowie den Grundpreis und basiert auf dem deutschlandweit gewichteten Mittel des günstigsten Preises je Postleitzahl. Berücksichtigt wurden ausschließlich Neukundentarife mit einer Preisgarantie von 12 Monaten.