Im Alter wird es teuer: Senioren zahlen bis zu 172 Prozent mehr für ihre Kfz-Versicherung
03.03.2026 | 07:26
Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox
Heidelberg. Mit zunehmendem Alter steigen die Beiträge zur Kfz-Versicherung deutlich. Ein 85-jähriger Autofahrer zahlt unter gleichen Bedingungen für die Vollkaskoversicherung bis zu 172 Prozent mehr als ein 55-Jähriger. Bereits ab 65 Jahren setzen Zuschläge ein. Wie stark diese ausfallen und unter welchen Voraussetzungen sich die Kosten senken lassen, zeigen aktuelle Modellrechnungen des Vergleichsportals Verivox.
Gleiche Schadenfreiheitsklasse, trotzdem höhere Beiträge
Trotz gleicher Schadenfreiheitsklasse und identischen Tarifmerkmalen zahlt ein 65-Jähriger allein durch sein Alter 14 Prozent mehr als ein 55-jähriger Vergleichsfahrer. Bei einem 75-jährigen Fahrer liegt der Aufschlag schon bei 69 Prozent, beim 85-Jährigen bei 172 Prozent.
Auch eine lange unfallfreie Fahrpraxis und eine hohe Schadenfreiheitsklasse schützen ältere Autofahrer nicht vor steigenden Beiträgen. Sie dämpfen den Alterszuschlag lediglich etwas ab.
"Für viele Seniorinnen und Senioren sind die Zuschläge schwer nachvollziehbar", sagt Aljoscha Ziller, Geschäftsführer der Verivox Versicherungsvergleich GmbH. "Versicherer kalkulieren jedoch rein risikobasiert. Statistisch steigt im hohen Alter die Wahrscheinlichkeit schwerer Unfälle wieder an. Das schlägt sich direkt im Beitrag nieder."
Versicherung über Kinder spart nicht automatisch Geld
Grundsätzlich können Senioren ihre Beiträge senken, wenn das Fahrzeug über einen jüngeren Angehörigen versichert oder zusätzlich auf ihn zugelassen wird. Der Senior bleibt dabei als Fahrer eingetragen und behält den vollen Versicherungsschutz.
In der Praxis greift diese Strategie jedoch nicht automatisch. Versichern Autofahrer erstmalig einen Zweitwagen, erfolgt die Einstufung in eine niedrige Schadenfreiheitsklasse, meist SF ½. Bei dieser Einstufung wäre eine Versicherung über das 30 Jahre jüngeren Kind nur für den 85-Jährigen geringfügig günstiger. Sein Preisvorteil liegt laut Modellrechnung bei 16 Euro (1 Prozent).
Entlastung mit Übertragung der Schadenfreiheitsklasse
Erst mit der Übertragung der Schadenfreiheitsklassen wirkt sich die langjährige unfallfreie Fahrpraxis beitragsmindernd aus. Der Empfänger kann so viele schadenfreie Jahre übernehmen wie er selbst im Besitz eines Führerscheins ist.
In den Verivox-Modellrechnungen sinkt der Beitrag für den 75-jährigen Senior dadurch um 17 Prozent (163 Euro). Beim 85-Jährigen fällt die Entlastung mit 53 Prozent (808 Euro) deutlich höher aus.
Das größte Sparpotenzial entsteht, wenn Versicherung und Zulassung des Autos sowie die Schadenfreiheitsklassen des älteren Fahrers vollständig auf das Kind übergehen. In dieser Konstellation sinkt der Beitrag für den 85-jährigen Fahrer um 60 Prozent bzw. 917 Euro gegenüber der Versicherung auf den eigenen Namen. Der 75-jährige Fahrer spart 30 Prozent (281 Euro).
"Für 65-Jährige lohnt sich diese Lösung in der Regel noch nicht", sagt Aljoscha Ziller, Geschäftsführer der Verivox Versicherungsvergleich GmbH. "Der altersbedingte Zuschlag fällt hier meist noch moderat aus, gleichzeitig verfügen viele über eine sehr hohe Schadenfreiheitsklasse. Eine Übertragung kann den Versicherungsbeitrag dann sogar erhöhen."
Methodik
In den Modellrechnungen sind die Rahmenbedingungen abgesehen vom Alter und der Schadenfreiheitsklasse identisch: Die Versicherten aus Berlin fahren einen VW Golf VIII 1.0 TSI mit einer jährlichen Fahrleistung von 10.000 Kilometern.