Digitale Bildung: Jede fünfte Schule weiter ohne Gigabit-Internet
Stand: 09.02.2026
Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox
In deutschen Bildungsstätten läuft der Internetausbau schleppend: Derzeit können 20 Prozent der Schulen in Deutschland nicht auf Gigabit-Anschlüsse zugreifen. In über 800 deutschen Gemeinden findet sich sogar keine einzige Schule mit Gigabit-Internet. Das zeigt Verivox auf Basis von Daten des Bundesbreitbandatlas.
Größte Stadt-Land-Kluft in Sachsen und Baden-Württemberg
Deutschlandweit bieten fast 4.200 Städte und Gemeinden eine komplette Gigabit-Versorgung an Schulen (100 Prozent). Im ländlichen Raum dagegen zeigt sich ein anderes Bild: Hier erreichen lediglich der Landkreis Schaumburg in Niedersachsen und der Saale-Orla-Kreis in Thüringen eine 100-prozentige Versorgung. In 819 Gemeinden ist keine einzige Schule mit Gigabit-Internet versorgt.
Die größten Unterschiede zwischen städtischen und ländlichen Regionen gibt es in den Bundesländern Sachsen und Baden-Württemberg. Hier sind Schulen in Städten um 15 bzw. 12 Prozentpunkte häufiger mit 1.000-Mbit-Leitungen versorgt als in dünn besiedelten Gebieten. In den meisten anderen Bundesländern nähern sich die Stadt-Land-Werte mittlerweile an.
"Schulen und Universitäten sollten prioritär mit der zukunftssicheren Glasfasertechnik versorgt werden", fordert Jörg Schamberg, Telekommunikationsexperte bei Verivox. "Gerade im Umfeld von Ausbildungsstätten mit vielen zeitgleichen, datenintensiven Anwendungen sind hochperformante Internetanschlüsse alternativlos."
Unterschiede im Stadtraum: In Rostock und Mainz nur jede zweite Schule mit Gigabit
Auch zwischen den Städten zeigen sich deutliche Unterschiede: Spitzenreiter ist Halle in Sachsen-Anhalt mit einer Gigabit-Versorgungsquote der Schulen von 92 Prozent, gefolgt von Saarbrücken mit 91 Prozent und Stuttgart mit 87 Prozent. Schlusslicht ist Rostock mit 48 Prozent. Nur wenig besser ist die Versorgungslage der Schulen in Mainz (50 Prozent) sowie in Frankfurt und Leipzig (je 54 Prozent).
Auch im erweiterten städtischen Raum macht es einen enormen Unterschied, in welchem Bundesland Kinder zur Schule gehen: Während in Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein fast alle Schulen in großen Städten über Gigabit-Internet verfügen, liegt die Quote im Freistaat Thüringen bei nur 50 Prozent. Die übrigen Bundesländer liegen zwischen 60 und 90 Prozent Gigabit-Quote im dicht besiedelten Raum. Das gilt auch für die drei deutschen Stadtstaaten, wobei die Hauptstadt Berlin am schlechtesten abschneidet (70 Prozent). Bremen (83 Prozent) und Hamburg (78 Prozent) reihen sich im Mittelfeld ein.
Digitalpakt Schule 2.0: Mit Hardware allein ist es nicht getan
Das Förderprogramm "Digitalpakt Schule" finanziert vor allem die technische Ausstattung der Schulen, etwa mit Laptops oder Smartboards, unterstützt die Länder aber auch mit Geldern für IT-Administratoren. Laut dem Bundesministerium für Bildung verfügen die meisten Schulen inzwischen über eine grundlegende Infrastruktur – von WLAN über Endgeräte bis hin zu digitalen Tafeln. Weitere fünf Milliarden Euro aus dem Digitalpakt 2.0 sollen bis zum Jahr 2030 zur Verfügung stehen. "Hier ist auch Planbarkeit wichtig: Es darf nicht vom Zufall abhängen, ob die Lernenden an einer Schule mit zeitgemäßer digitaler Ausstattung unterrichtet werden."
Doch mit der Hardware alleine ist es nicht getan – noch zu oft werden neue Medien ähnlich wie ihre analogen Vorgänger genutzt. "Digitale Bildung ist keine Frage einzelner Geräte, sondern der pädagogischen Konzepte dahinter", sagt Jörg Schamberg. "Ohne entsprechende Qualifizierung der Lehrkräfte und ausreichenden IT-Support bleibt selbst eine moderne technische Infrastruktur weit hinter ihren Möglichkeiten zurück. Der Lehr- und Fachkräftemangel verschärft die Situation zusätzlich", sagt Schamberg.
Auch die Qualität des Internetzugangs spielt eine Rolle: Ein einzelner 50-Megabit-Zugang übers Sekretariat, wie in der Vergangenheit oft praktiziert, ist keine Lösung. Wenn Dutzende Klassen parallel digitalen Unterricht machen wollen, stößt die Kabeltechnologie an Grenzen. Dann werden intensiv beanspruchbare Glasfaserleitungen für eine zuverlässige und leistungsfähige Internetversorgung benötigt.
Methodik
Verivox hat auf Basis des Bundesbreitbandatlas der Bundesnetzagentur die Internetversorgung von Schulen mit 1.000 Mbit/s analysiert (Datenstand: 06.2025). Bei Gigabit-Anschlüssen wird in der Datengrundlage nicht zwischen Glasfaser oder Kabel unterschieden. Verglichen wurden die Versorgungsdaten der größten Stadt jedes Bundeslands sowie die Werte von Städten und Gemeinden in der Raumkategorie "dicht besiedelt" sowie den Gemeinden der Raumkategorie "gering besiedelt".