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Tagesgeld: Niedrigzinsen bei mehr als jeder dritten Regionalbank in Norddeutschland

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox

Heidelberg. Mehr als ein Drittel aller regionalen Kreditinstituten in Norddeutschland bietet Tagesgeldanlegern entweder Null- oder Niedrigzinsen. Bei 43 Prozent der örtlichen Sparkassen und 33 Prozent der regionalen Genossenschaftsbanken Norddeutschlands gibt es Tagesgeldkonten mit einem Zinssatz von maximal 0,25 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Analyse des Vergleichsportals Verivox, für die bundesweit über 800 Banken und Sparkassen ausgewertet wurden – darunter 127 mit Sitz in Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Niedersachsen oder Mecklenburg-Vorpommern.

Niedrigzinsen bei vier von zehn norddeutschen Sparkassen

Bei 25 von 58 ausgewerteten Sparkassen, die in einem der fünf norddeutschen Bundesländer beheimatet sind, liegen die Tagesgeldzinsen in einem Bereich von 0 bis 0,25 Prozent. Das entspricht einem Anteil von 43 Prozent.

Etwas geringer ist der Anteil der Banken mit Null- oder Niedrigzinsen unter den regionalen Genossenschaftsbanken in Norddeutschland. Dazu gehören neben den örtlichen Volks- und Raiffeisenbanken auch die PSD- und Sparda-Banken der Region. Bei einem Drittel der Geldhäuser dieses Segments (20 von 61 ausgewerteten Banken) müssen sich Tagesgeldanleger mit einem Zinssatz von maximal einem Viertelprozent begnügen.

Alle insgesamt acht überregionalen Banken in der Auswertung, die ihren Firmensitz in einem der norddeutschen Bundesländer haben, bieten ihren Sparern höhere Tagesgeldzinsen als 0,25 Prozent.

Auch jenseits von Norddeutschland kommen Null- und Niedrigzinsen auf dem Tagesgeldkonto fast ausschließlich bei Regionalbanken vor. Insgesamt umfasst die Verivox-Auswertung über das gesamte Bundesgebiet 826 Banken und Sparkassen. Davon weisen 302 Kreditinstitute einen Tagesgeldzins im Bereich von 0 bis 0,25 Prozent aus, was einem Anteil von 37 Prozent entspricht. Unter den 98 bundesweit aktiven Banken liegt dieser Anteil nur bei 8 Prozent (8 Kreditinstitute). Der Rest entfällt auf Sparkassen (43 Prozent) und regionale Genossenschaftsbanken (38 Prozent).

Regionalbanken profitieren von treuer Kundschaft

"Sparkassen und Volksbanken sind in ihren Kommunen oft tief verwurzelt und haben einen besonders treuen und weniger preissensiblen Kundenstamm", sagt Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH. "Obwohl sie woanders wesentlich höhere Zinsen erhalten könnten, kommt ein Bankwechsel für viele ihrer Sparer nicht in Frage."

Was nicht jeder weiß: Bei vielen Banken können Sparer ausschließlich ein Tagesgeldkonto eröffnen. Als Referenzkonto für Auszahlungen und Zinsgutschriften nutzen sie dann einfach ihr bestehendes Girokonto. "Sparer können sich also höhere Tagesgeldzinsen sichern, ohne gleich komplett die Bank zu wechseln", sagt Oliver Maier.

Große Unterschiede auch bei den Durchschnittszinsen

Die großen Unterschiede zwischen regionalen und überregionalen Geldhäusern bilden sich auch bei den Durchschnittszinsen ab. Bei den norddeutschen Genossenschaftsbanken liegt der Durchschnittszins nur bei 0,51 Prozent. Die Sparkassen im Norden zahlen im Schnitt 0,41 Prozent.

Damit liegen die Tagesgeldzinsen der norddeutschen Regionalbanken etwas höher als der bundesweite Durchschnittszins beider Bankengruppen. Für Gesamtdeutschland liegt der durchschnittliche Tagesgeldzins der Sparkassen aktuell bei 0,37 Prozent. Regionale Genossenschaftsbanken zahlen im gesamtdeutschen Schnitt derzeit 0,42 Prozent.

Wer hingegen bei einer Bank mit überregional verfügbaren Sparangeboten Tagesgeld anlegt, streicht dafür im Schnitt 1,30 Prozent Zinsen ein – mehr als drei Mal so viel wie bei den norddeutschen Sparkassen.

"Beim Tagesgeld wirken sich Zinsänderungen für Banken besonders drastisch auf die Kosten aus. Denn anders als beim Festgeld gelten Konditionsanpassungen hier nicht nur für Neuabschlüsse, sondern auch für alle bereits beim Kreditinstitut angelegten Gelder", erklärt Oliver Maier. "Deshalb scheuen die häufig stark einlagenlastigen Sparkassen und Volksbanken insbesondere beim Tagesgeld spürbare Zinserhöhungen."

Geringere Unterschiede bei den Festgeldzinsen

Beim Festgeld fallen die Zinsunterschiede zwischen den einzelnen Bankengruppen hingegen deutlich moderater aus: Bundesweit verfügbare Angebote mit 2 Jahren Laufzeit bringen im Schnitt 2,09 Prozent. Norddeutsche Sparkassen zahlen durchschnittlich 1,58 Prozent, die regionalen Genossenschaftsbanken 1,68 Prozent Zinsen. Beim Festgeld liegen die durchschnittlichen Zinserträge bei den örtlichen Regionalbanken somit nur um ein Viertel bis ein Fünftel unterhalb des Niveaus überregionaler Banken.

Doch auch für Festgeldanleger lohnt sich der Blick über den Tellerrand der eigenen Hausbank. Wer Angebote vergleicht, findet bei deutschen Banken auch Festgeldangebote mit bis zu 2,71 Prozent Zinsen. Bei diesen Konditionen wirft ein Anlagebetrag von 10.000 Euro über die zweijährige Laufzeit insgesamt 226 Euro mehr ab als bei einer Anlage zum Durchschnittszins der norddeutschen Sparkassen.

Methodik

Für die Analyse hat Verivox die aktuellen Tages- und Festgeldzinsen von mehr als 800 Kreditinstituten ausgewertet – darunter 58 Sparkassen und 61 regionale Genossenschaftsbanken mit Sitz in einem der norddeutschen Bundesländer Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern.

Berücksichtigt wurden sämtliche Geldhäuser, die ihre Zinsen frei zugänglich im Internet veröffentlichen. Nicht alle Banken weisen ihre Konditionen transparent online aus. Es gibt also Kreditinstitute, die von der Auswertung nicht erfasst werden – darunter möglicherweise auch weitere mit Niedrigzinsen.

Ausgewertet wurden die Konditionen für eine Anlagesumme von 10.000 Euro. Beim Tagesgeld wurden ausschließlich die regulären Bestandskundenkonditionen der Kreditinstitute berücksichtigt. Befristete Aktionszinsen, die nur für Neukunden oder neu angelegtes Geld gültig sind, blieben außen vor.

Auswertungsstand ist der 26.03.2026