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Tagesgeld: Die Hälfte aller bayerischen Sparkassen und Volksbanken zahlt allenfalls Niedrigzinsen

Bildquelle: ©Adobe Stock / Text: Verivox

Heidelberg. Jedes zweite regionale Geldhaus in Bayern zahlt auf dem Tagesgeldkonto kaum Zinsen. Bei jeweils 50 Prozent der örtlichen Sparkassen und der regionalen Genossenschaftsbanken liegt der Tagesgeldzins im Bereich von 0 bis 0,25 Prozent. Bei überregionalen Banken beläuft sich der Durchschnittszins aktuell auf 1,30 Prozent – fast vier Mal so hoch wie bei den regionalen Kreditinstituten im Freistaat, die im Schnitt 0,35 Prozent aufs Tagesgeld bezahlen. Deutlich geringer fallen die Zinsunterschiede hingegen beim Festgeld aus. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Auswertung von über 800 Banken und Sparkassen durch das Vergleichsportal Verivox.

Tagesgeldzinsen in Bayern und bundesweit

Durchschnittlich 0,35 Prozent Zinsen erhalten Tagesgeldsparer, die ihr Geld bei einer bayerischen Sparkasse anlegen. Exakt auf diesem Niveau liegen auch die Durchschnittszinsen der regionalen Genossenschaftsbanken im Freistaat. Dazu zählen neben den örtlichen Volks- und Raiffeisenbanken auch die PSD- und Sparda-Banken.

Die Tagesgeldzinsen der bayerischen Regionalbanken liegen somit noch unter dem bundesweiten Durchschnittszins beider Bankengruppen. Für Gesamtdeutschland liegt der durchschnittliche Tagesgeldzins der Sparkassen aktuell bei 0,37 Prozent. Regionale Genossenschaftsbanken zahlen im gesamtdeutschen Schnitt derzeit 0,42 Prozent.

Wer hingegen bei einer Bank mit überregional verfügbaren Sparangeboten Tagesgeld anlegt, streicht dafür im Schnitt 1,30 Prozent Zinsen ein – also mehr als drei Mal so viel wie bei den regionalen Geldhäusern in Deutschlands Süden.

"Anders als die regionalen Geldhäuser müssen sich bundesweit aktive Banken einem ungleich größeren Wettbewerb stellen und somit auch höhere Zinsen bieten, um sich gegen ihre Konkurrenz zu behaupten", sagt Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH.

In Bayern wie bundesweit: Niedrigzinsen fast nur bei Regionalbanken

Von 52 bayerischen Sparkassen in der Verivox-Auswertung bieten 26 beim Tagesgeld lediglich Null- oder Niedrigzinsen bis maximal 0,25 Prozent. Das entspricht einem Anteil von 50 Prozent. Ebenso hoch ist der Null- und Niedrigzinsanteil unter den regionalen Genossenschaftsbanken Bayerns. Von den 115 ausgewerteten Banken dieses Segments bieten 57 einen Tagesgeldzins im Bereich bis zu einem Viertelprozent.

Im Bayern kommen Null- und Niedrigzinsen auf dem Tagesgeldkonto überdurchschnittlich häufig vor. Über das gesamte Bundesgebiet umfasst die Verivox-Auswertung insgesamt 827 Banken und Sparkassen. Davon weisen 305 Kreditinstitute einen Tagesgeldzins im Bereich von 0 bis 0,25 Prozent aus, was nur einem Anteil von 37 Prozent entspricht. Auch jenseits der bayerischen Landesgrenzen sind überwiegend Regionalbanken betroffen. Unter den 96 bundesweit aktiven Banken befinden sich lediglich 8 Institute (8 Prozent) mit Null- oder Niedrigzinsen.

"Die lokal verwurzelten Sparkassen und Volksbanken verfügen traditionell über eine besonders treue und weniger preissensible Kundschaft", sagt Oliver Maier. "Deshalb gehen die Verantwortlichen einfach davon aus, dass die Kunden ihre Tagesgeldeinlagen selbst dann nicht abziehen, wenn sie bei anderen Banken wesentlich höhere Zinsen erhalten könnten."

Geringere Unterschiede bei den Festgeldzinsen

Beim Festgeld fallen die Zinsunterschiede zwischen den einzelnen Bankengruppen deutlich moderater aus: Bundesweit verfügbare Angebote mit 2 Jahren Laufzeit bringen im Schnitt 2,07 Prozent. Bayerische Sparkassen zahlen durchschnittlich 1,66 Prozent und die regionalen Genossenschaftsbanken im Freistaat 1,60 Prozent Zinsen. Beim Festgeld liegen die durchschnittlichen Zinserträge bei den örtlichen Regionalbanken somit nur um gut ein Fünftel unterhalb des Niveaus überregionaler Banken.

"Konditionsänderungen beim Festgeld wirken sich nur auf künftige Anlagen aus, während eine Erhöhung der Tagesgeldzinsen auch für die Spargelder gilt, die schon bei den Kreditinstituten deponiert sind", erklärt Oliver Maier. "Darum haben die Sparkassen und Volksbanken mit ihren häufig recht großen Einlagebeständen beim Festgeld größeren Spielraum für Zinserhöhungen."

Doch auch für Festgeldanleger lohnt sich der Blick über den Tellerrand der eigenen Hausbank. Wer Angebote vergleicht, findet bei deutschen Banken Festgeldangebote mit bis zu 2,66 Prozent Zinsen. Bei diesen Konditionen wirft ein Anlagebetrag von 10.000 Euro über die zweijährige Laufzeit insgesamt 212 Euro mehr ab als bei einer Anlage zum Durchschnittszins der bayerischen Genossenschaftsbanken.

Methodik

Für die Analyse hat Verivox die aktuellen Tages- und Festgeldzinsen von mehr als 800 Kreditinstituten ausgewertet – darunter 52 Sparkassen und 115 regionale Genossenschaftsbanken aus Bayern. Berücksichtigt wurden sämtliche Geldhäuser, die ihre Konditionen frei zugänglich im Internet veröffentlichen. Nicht alle Banken weisen ihre Konditionen transparent online aus. Es gibt also Kreditinstitute, die von der Auswertung nicht erfasst werden – darunter möglicherweise auch weitere mit Niedrigzinsen.

Ausgewertet wurden die Konditionen für eine Anlagesumme von 10.000 Euro. Beim Tagesgeld wurden ausschließlich die regulären Bestandskundenkonditionen der Kreditinstitute berücksichtigt. Befristete Aktionszinsen, die nur für Neukunden oder neu angelegtes Geld gültig sind, blieben außen vor.

Auswertungsstand ist der 16.02.2026